konzert schliengen

Das hat St. Vinzenz in Liel im Laufe seiner fast 300jährigen Geschichte bestimmt noch nicht erlebt. 50 junge Musiker erzeugten mit Blasinstrumenten und Perkussion einen Lärm, der Tote hätte aufwecken können. Die Heiligenfiguren aber machten gute Miene zu den ungewohnten Klängen, besänftigt von den durchweg harmonischen, bisweilen auch lyrischen Passagen. Auf Einladung der Lions spielten die im Verbandsjugendblasorchester Hochrhein zusammen geschlossenen begabtesten Jungmusiker ein Konzert der Extraklasse.

 

Der Titel „American Journey“ (Amerikanische Reise) umfasste klassische amerikanische Filmmusik, Programmmusik und Lieder aus den 1930er Jahren. Zu Beginn erlebte man in der Ouvertüre zu John Williams „Cowboys“ fast körperlich die Prärie mit ihren Pflanzen und den Tierherden und natürlich den galoppierenden Viehhirten. Leiser, nachdenklicher und geheimnisvoll waren die Töne in Jay Chattaways „Mazama“. Das Stück berichtet mit Trommeln, Herdenglocken und die Geister beschwörenden Gesängen über die untergegangene Kultur der Dakota-Indianer. Höhepunkt des Abends war aber zweifellos die furiose Darbietung von Eric Withacres „Godzilla eats (frisst) Las Vegas“. Die jungen Musiker gestalteten mit allen musikalischen Stilmitteln, mit Geräuschen jeder Art, mit Angst- und Jubelrufen, sogar mit schauspielerischen Einlagen das allegorische Märchen vom Ungeheuer, das über Las Vegas mit seinem überschäumenden Luxusleben herfällt, die Stadt mit Bewohnern und Gästen vernichtet, schließlich nach mehreren erfolglosen Versuchen vom Militär erlegt wird, um sich zum Schluss im Hintergrund durch beängstigendes Knurren doch wieder bemerkbar zu machen: Das Böse stirbt eben nie aus. Gegenüber dem Vorjahr hat das Orchester unter seinem langjährigen Dirigenten Julian Gibbons noch an Qualität gewonnen. Rhythmus, Klangfarbe und Tondynamik gelangen. Die Einsätze saßen, die einzelnen Instrumentengruppen harmonierten präzise, die Soli brillierten. Neu war, dass drei Instrumental-Musikerinnen auch als Gesangssolisten auftraten. Sabrina Blatter (Gershwins „But not for me“), Verena Wagner (Rodgers „Blue Moon“) und schließlich Teresa Löhle (Kanders “New York, New York”), die zuvor charmant und gekonnt durch das Programm geführt hatte, beeindruckten alle drei mit gewaltigem Stimmvermögen, das einer Ella Fitzgerald schon sehr nahe kam. Das Publikum ehrte die Künstler mit lang anhaltendem Applaus und forderte Zugaben, die auch bereitwillig gegeben wurden. 

Pater Marian als Hausherr und der Lions Präsident Peter Schiller dankten dem Orchester und ihrem Dirigenten , aber auch den zahlreich erschienen Zuhörern, dass alle dem Club mit diesem schönen Benefiz-Konzert in einer schon traditionell langen Reihe ermöglicht haben, seine karitativen und kulturellen Aufgaben fortzusetzen. Das Konzert für 2014 ist schon in Vorbereitung.